Negative Kommentare waren vorprogrammiert: Sag mal spinnst du, warum fliegst du in ein Kriegsgebiet? Liegt dir nichts an deinem Leben? Du schaffst es nicht mal einzureisen. Meine Entscheidung
stand jedoch fest. Ich fliege, denn ich möchte mir mein eigenes Bild vom Irak machen.Ein mulmiges Gefühl was die Sicherheit angeht, hatte ich nicht. Eher ein mulmiges Gefühl, dass meine
Mitmenschen sich so große Sorgen um mich machten. Meine Eltern, meine Freundin und all diejenigen, die sich zuhause um mich sorgten – Ich konnte lediglich versprechen auf mich aufzupassen!
Bremen – Istanbul. Istanbul – Erbil. Obwohl es auch Direktflüge nach Erbil im Irak aus einigen Ecken Deutschlands gibt, entschied ich mich über einen Flug mit Zwischenstopp –
Bei diesem Vorhaben konnte ich noch einige Euros sparen. Das Flugzeug landete späten Abend in Erbil. Ich steckte mir meine Kopfhörer rein und spielte motivierende Musik ab. Es war eine Art
Glücksgefühl, die mich packte als ich aus dem Flugzeug ausstieg.
An der Passkontrolle nahm der Zollbeamte freundlich meinen Reisepass entgegen. Ahh Germany, Welcome! Schnell meinen Fingerabdruck gescannt und einen Visumsstempel in meinen Reisepass gedrückt und
das war auch schon alles. Mit diesem Visumsstempel konnte ich mich bis zu 30 Tage in der Kurdistan Region aufhalten. Man benötigt vorher kein Visum, auch wenn man unterschiedliche
Berichte im Internet findet, die anderes aussagen.
Im Vorfeld hatte ich meine Reise bei Couchsurfing online gestellt. Viele Menschen meldeten sich auf meine Anzeige – So auch Samir, Mitte 30, Arzt und wohnhaft in Erbil. Er schrieb mir, dass ich
mir kein Taxi am Flughafen nehmen bräuchte, er holt mich ab. Gibt es solche freundliche Menschen wirklich? Ja, die gibt es! Er war da und begrüßte mich mehrmals mit einem Welcome!
Wir gingen noch was Essen, bevor er mich zu meiner Unterkunft brachte. Samir wollte für die Abholung absolut kein Geld haben! Es war für ihn selbstverständlich, mich abzuholen.
Das Abenteuer kann losgehen
Ob zu Fuß, mit dem Taxi oder mit wildfremden Menschen
Im Vorfeld hatte ich mir natürlich schon ein paar Sachen rausgesucht, welche ich unbedingt sehen wollte. Ansonsten bin ich extrem planlos durch das Land gezogen, hab mich überraschen lassen und
ohne Stress die Tage sinnvoll ausgenutzt.
Ohne nun jeden Brotkrümel zu erwähnen, der mir beim Essen runtergefallen ist, möchte ich euch mal einen kleinen groben Überblick verschaffen, wie ich mein Backpacking in einem Land
erlebt habe, welches als eines der gefährlichsten Länder der Welt gilt.
Bin ich wirklich im Irak? Diese Frage stellte ich mir häufiger! Alles um mich herum wirkt so fröhlich – Die Menschen, die Natur, einfach alles. Ich ziehe durch die Straßen, werde von allen
Leuten begrüßt. Teilweise fühlte ich mich wie ein Promi, da viele Leute ein Selfie mit mir zusammen haben wollten. Selbst am späten Abend fühlte ich mich sicher, wenn ich durch die Straßen
spazieren ging, mich draußen in ein Cafe setzte und an meiner Wasserpfeife zog.
Ich bin unterwegs in den Regionen von Erbil und Dohuk – Verständigungsprobleme gibt es nicht. Englisch, Händisch und Füßisch klappt immer!
In Dohuk besuchte ich sogar noch einen Freund, der vor einigen Jahren von Deutschland zurück in seine Heimat gezogen ist. Ich verbrachte ein paar Tage mit ihm zusammen. Ich lernte seine
Familie kennen, seine Freunde und sein Leben.
Besonders hervorheben muss ich die Gastfreundschaft im Land! Ich wurde von wildfremden Menschen eingeladen, zusammen mit der Familie zu essen. Ich wurde aufgenommen als gehörte ich schon
lange dazu. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Egal wo ich mich aufhielt, Tee gab es immer und von jedem.
Mit meinen Bildern möchte ich euch gerne meine Eindrücke beschreiben – Manchmal sagen Bilder halt mehr als Worte.
Taxi fahren ist sehr günstig im Land und meiner Meinung nach das beste Vorbewegungsmittel um von A nach B zu kommen. Der Fahrstil der Menschen ist jedoch mit sehr
viel Adrenalin verbunden. Geisterfahrer gibt’s hier wie Sand am Meer, dass heißt, dass es auch mal gut sein kann, dass Verkehr von vorne kommt, oder die Fahrer auf einmal so ausscheren. Sind
wir halt nicht gewohnt. Augen zu und durch. Dementsprechend sehen die Autos auch teilweise so verbeult aus.
Wie sicher ist ein Urlaub im Irak?
Mir war klar, dass es nicht überall sicher sein wird. Es gibt Ecken, die man vermeiden sollte. Die gibt's jedoch bei uns in Deutschland auch.
40 Kilometer von meinem damaligen Aufenthaltsort ging eine Bombe in Mossul in die Luft. Ein Terroranschlag. Genaues bleibt unbekannt und wird nicht angegeben. Es war ein Selbstmordattentäter, der
seine Bombe am Motorrad befestigte und sich vor einer Universität in die Luft sprengte.
Die Menschen in Kurdistan wissen wie gefährlich diese Regionen sind und wirklich jeder einzelne von ihnen sagte mir, dass ein Aufenthalt dort Lebensmüde wäre. Der Krieg ist noch lange
nicht vorbei. Eine Einreise für mich wäre ohnehin unmöglich und strafbar gewesen. In der Region Kurdistan-Irak scheint der Krieg jedoch weit entfernt zu sein - Es gibt eine
eigene Armee, die Peshmerga, die zusammen mit der Kurdischen Polizei für die Sicherheit sorgt.
Man sagt, die Peshmerga blickt dem Tot ins Auge - Man fühlt die Sicherheit regelrecht, wenn man durch die stark mit Maschinengewehren bewachten Checkpoints fährt. Einfach durchfahren geht so oder
so nicht. Teilweise stehen mit Maschinengewehr bewachte Soldaten an vielen Abschnitten rum. Dieses schreckt jedoch nicht ab, sondern gibt einem auch ein Gefühl von Sicherheit. Kurdistan-Irak ist
wie eine Art Aquarium, mit einem Schutzmantel.
Nochmal hervorgehoben - Irak ist nicht gleich Irak.
Fazit: Mit meiner Reiseerfahrung möchte ich euch zeigen, dass der Irak nicht nur aus Krieg und Armut besteht. Das Land bietet neben einer wundervollen Gastfreundschaft außerdem
eine Natur, die man erleben muss.
Traut euch, probiert was Neues aus.
Tipps für euren Urlaub im Irak
Sicherheit: Man kann sich Tag und Nacht frei bewegen. Der Nordirak wie eine Art Aquarium mit einem Schutzmantel drum herum. Angst braucht man nicht zu haben.
Leute: Super Gastfreundlich, hilfsbereit. Die Jugendlichen sprechen viel Englisch, ältere Generationen eher kein Englisch.
Orte die ich besucht habe: Ankawa, Rawanduz, Amedi, Dohuk, Erbil, Soran, Alqosh.
Fortbewegung: Taxi fahren ist sehr günstig. Die Straßenverhältnisse sind sehr oft schlecht. Die Autobahn ist in relativ gutem Zustand.
Unterkünfte: Couchsurfing ist im Land sehr groß verbreitet. Hotels gibt es viele, Preise für ein 2/3 Sterne Hotel gibt es bereits ab ca. 20 Euro die Nacht. Es gibt auch viele Luxus-Hotels,
dementsprechend sind aber auch die Preise viel höher.










